Sehentwicklung bei Kindern

Der Einfluß auf die allgemeine Entwicklung des Kindes ist abhängig von der regelrechten visuellen Entwicklung (Quelle: Dr. Barbara Käsmann-Kellner)
Grobmotorische Entwicklung:
Sehen löst Krabbeln aus
Visueller Stimulus als Anreiz zum Laufenlernen
Stabilisierung des Körpers im Raum


Feinmotorische Entwicklung:
Auge-Hand Koordination
Zusammenspiel der Hände
Pinzettengriff


Kognitive Entwicklung:
Unterscheiden der Eltern und anderer Personen
Entwicklung des Raumverständnis
Verständnis von „mein“ und „dein“
Abstraktionsvermögen
Nachahmung und Erleben der Kulturtechniken


Emotionale Entwicklung:
visuell gesteuerte Reaktionen auf die Eltern
Sehen bewirkt „ich will….“


Die Entwicklungsstufen des Sehen in Abhängigkeit zum Lebensalter:

Pränatale Entwicklung:
Ausbildung der retinalen Neurone (Netzhaut-Neuronen)
Formierung der permanenten Sehbahn-Synapsen


Zeitpunkt der Geburt:
Netzhautzellen haben ihre unterschiedliche Typologie, alle Netzhautschichten sind ausgebildet

Nach der Geburt 1. bis 4. Lebenswoche:
die zentralen 5° der Netzhaut verändern sich und bilden durch eine geordnete Umverteilung und Differenzierung der gegebenen Zellenzahl die sog. „Fovea Centralis" aus
Visuelle Funktion: Sehschärfe um 10%, nur kurze Fixationsreflexe und sprunghafte Folgebewegungen
Kein Einfluß in dieser Phase auf die motorische und kognitive Entwicklung
In dieser Phase ist die Entwicklung des visuellen System von der sensorischen Stimulation abhängig


Bis zur 8. Lebenswoche:
Sehschärfe um 30%
Beginn der Akkommodation
Beginn der Binokularität (beidäugiges Sehen)
Glatte Folgebewegungen
Motorisch: Beginn der Auge-Hand-Koordination
Kognitiv: Emotionale Reaktion auf Eltern und erstes Raumverständnis


Um die 12. Lebenswoche:
Sehschärfe um 40%
Sichere Akkommodation
Sichere Stereopsis (3D-Sehen)
Motorisch: Koordination der Hände
Kognitiv: Gegriffenes wird angeschaut, Stereoakusis durch visuelle Erfahrung


6. Lebensmonat:
Sehschärfe 60 - 100% (sog „Krümelvisus“)
Beginn der Auge-Hand-Koordination (visuell, motorisch schon früher)
Motorisch: Sehschärfe als Auslöser zum Krabbelnlernen, Kopfkontrolle, Muskeltones steigt
Kognitiv: Verbesserte Raumvorstellung, Neugier durch Gesehenes


12. Lebensmonat:
Sehschärfe 100%
Volle Stereopsis (3D-Sehen)
Motorisch: Sehschärfe als maßgeblicher Anreiz zum Laufenlernen, Pinzettengriff (Feinmotorik)
Kognitiv: Vorstellung von „mein“ und „dein“ und „ich will…“
im weiteren Verlauf: weitere Verbesserung der Feinmotorik, Erwerb der Kulturtechniken, Beginn des abstrakten Denkens, Farbnennungen, Kontrastsehen


In den ersten 2 Lebensjahren findet die morphologische Ausdifferenzierung statt.

Im Alter von 8 bis 10 Jahren kommt es zur funktionalen Ausdifferenzierung.